Radschnellweg Esslingen – Plochingen – Reichenbach a. d. Fils

Gemeinsame Mitteilung der Landtagsabgeordneten des Kirchheimer Wahlkreises Andreas Schwarz, Andreas Kenner, Dr. Natalie Pfau-Weller und Bürgermeister Frank Buß anlässlich des Neubaus eines Radschnellwegs im Landkreis Esslingen zwischen den Grenzen zum Stadtkreis Stuttgart und zum Landkreis Göppingen (bei Reichenbach an der Fils) auf rund 20 km Länge.

Am 4. November 2021 informierte das Regierungspräsidium Stuttgart die Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz und Andreas Kenner, Bürgermeister Frank Buß sowie Vertreterinnen und Vertreter des Plochinger Gemeinderats und verschiedener Verbände über die geplante Trassenführung im Plochinger Stadtgebiet. Dabei wurden insbesondere verschiedene Trassenvarianten im Bereich des Landschaftsparks Bruckenwasen und im Filsgebiet erörtert. 

Radschnellwege sind überörtliche Netzelemente für den Alltagsverkehr in Verdichtungsräumen: Ziel einer Radschnellverbindung ist unter anderem die Reduzierung von verkehrlichen Kapazitätsengpässen und die Stärkung der nachhaltigen Verkehrsabwicklung. Sie werden im Zuge wichtiger Alltagspendlerachsen eingesetzt. Pendlerinnen und Pendler, die heute noch den Pkw für die Fahrt zur Arbeit nutzen, sollen durch direkte, komfortabel befahrbare und kreuzungsfreie Radschnellwege zum Umstieg auf das Fahrrad animiert werden. 

Als wichtiger Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsraums Mittlerer Neckar streben das Land Baden-Württemberg und der Landkreis Esslingen die Umsetzung einer Radschnellverbindung in Ost-West-Richtung von Reichenbach a. d. Fils kommend über Plochingen und Esslingen nach Stuttgart an. Die Radschnellverbindung Esslingen – Plochingen – Reichenbach a. d. Fils ist eines von drei Leuchtturmprojekten des Landes, für die das Land die Baulastträgerschaft übernommen hat. Das Land dokumentiert damit die Bedeutung der Radschnellverbindungen für eine neue Radkultur in Baden-Württemberg. 

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen Landtagsfraktion und Kirchheimer Abgeordnete Andreas Schwarz MdL sagte am Donnerstag in Plochingen: „Vor dem Hintergrund, dass der Verkehr gut ein Drittel der CO2-Emissionen verursacht, wird klar, dass nur mit der Verkehrswende die Bekämpfung des Klimawandels gelingen kann. Und ein Schlüssel zur Verkehrswende ist der Ausbau des Radverkehrs. Radschnellwege spielen beim Gelingen der Verkehrswende eine wichtige Rolle und der Radschnellweg Stuttgart – Esslingen – Plochingen – Reichenbach a. d. Fils ist eines unserer Leuchtturmprojekte und von überregionaler Bedeutung für den Alltagsverkehr. Dazu muss der Radschnellweg attraktiv sein – also sicher, durchgängig und kreuzungsarm, damit die Berufspendler schnell von A nach B kommen. Nachdem die Streckenführung entlang oder abseits des Landschaftsparks Bruckenwasen noch weiter erörtert werden muss, halte ich es für sinnvoll, die konkreten Planungen und mögliche Planfeststellungsverfahren zunächst für die langen und verkehrswirksamen Streckenabschnitte von Stuttgart über Esslingen bis Plochingen einerseits und von Reichenbach bis Plochingen andererseits anzugehen und zur Planfeststellung zu bringen.“ 

Der Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner MdL, der selbst gut 90 Prozent seiner Dienstfahrten im Wahlkreis mit dem Pedelec zurücklegt, begrüßte ebenfalls den Bau von Radschnellwegen ausdrücklich, auf denen Berufspendler direkt, schnell und sicher an ihren Arbeitsplatz gelangen. „Wer sagt, er unterstütze das 1,5-Grad-Ziel von Paris, muss jetzt zeitnah die Weichen für eine moderne Mobilität stellen. Dazu gehört ein guter, preiswerter ÖPNV ebenso wie attraktive Rad- und Fußgängerwege. Wenn wir für zig Millionen Euro Radwege mit großen Umwegen, Tunneln und Steigungen bauen, die dann nicht angenommen werden, haben wir nichts gewonnen. Dies gilt es bei allen berechtigten Einwendungen vor Ort zu bedenken.“ Darüber hinaus ist für Andreas Kenner, der selbst auch Stadtrat in Kirchheim ist, das kommunale Einverständnis der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie der Stadträtinnen und Stadträte vor Ort ein hohes Gut. 

Auch Dr. Natalie Pfau-Weller MdL, Kirchheimer Landtagsabgeordnete der CDU und Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, sieht im Radschnellweg Esslingen – Plochingen – Reichenbach a. d. Fils großes Potential, die Hauptverkehrsachsen auf Straßen und Schienen zu entlasten, Staus zu vermeiden und zur Luftreinhaltung beizutragen. 

Bürgermeister Frank Buß verwies auf die räumlichen Engpässe im Neckartal und betonte, dass sich Plochingen konstruktiv am Planungsprozess beteiligt. Mittlerweile wurden für einige Streckenabschnitte Kompromisse gefunden, die vom Regierungspräsidium nun weiter untersucht werden. Erhebliche Bedenken hatte er jedoch bei der Trasse durch den Landschaftspark Bruckenwasen und forderte, dass zuerst alle Alternativen transparent und ergebnisoffen diskutiert werden müssen. „Der Landschaftspark Bruckenwasen ist ein ökologisches Leuchtturmprojekt im eng besiedelten Neckartal und hat als Naherholungsgebiet einen hohen Stellenwert. Angesichts eines Realisierungszeitraums von 5 bis 10 Jahren darf eine Trassenentscheidung nicht übers Knie gebrochen werden. Deshalb ist es richtig, sich jetzt für eine fundierte inhaltliche Diskussion Zeit zu nehmen, ohne das Gesamtprojekt zu verzögern.“ 

Das Regierungspräsidium Stuttgart nahm die seitens der Stadt Plochingen vorgebrachten Bedenken auf und zeigte im Rahmen der Infoveranstaltung anhand eines Variantenvergleichs den Abwägungsprozess zur Wahl der Empfehlungstrasse. „Diese Trassenführung entspricht den Qualitätsstandards für Radschnellverbindungen und hält Spielräume offen, um möglichst rasch, gemeinsam mit der Stadt Plochingen, eine für beide Seiten gute Lösung zu finden“, erläuterte Stefan Heß, Leiter der Abteilung „Mobilität, Verkehr, Straßen“ beim Regierungspräsidium Stuttgart, im Rahmen des Termins in Plochingen. „Wir bleiben weiter im direkten Gespräch“, so Heß.

Hintergrundinformationen

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2018 hat der Landkreis Esslingen auf Grundlage des bestehenden Radwegenetzes, bestehender Restriktionen (enge und dichte Bebauung des Planungskorridors) sowie vorhandener Nutzerpotentiale verschiedene Trassenvarianten für die Umsetzung einer Radschnellverbindung untersucht, bewertet und anschließend gegenübergestellt. Die Machbarkeitsstudie zeigt auf, dass für eine Radschnellverbindung grundsätzlich ein entsprechendes Potential gegeben ist. 

Nach umfassenden Untersuchungen mehrerer nördlich und südlich des Neckars bzw. der Fils verlaufender Trassenvarianten hat sich, in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Städten, Gemeinden und dem Regierungspräsidium Stuttgart, im Jahr 2021 eine Vorzugstrasse herauskristallisiert, die weiter ausgearbeitet wird. 

Das Regierungspräsidium Stuttgart ist derzeit in der Vorplanung für die Radschnellverbindung Esslingen – Reichenbach a. d. Fils. Teil der Radschnellverbindung ist auch das ca. 1,3 Kilometer lange Demonstrationsteilstück zwischen Reichenbach a. d. Fils und Ebersbach. Dieses Teilstück wurde durch das Baureferat Göppingen des Regierungspräsidiums Stuttgart im Sommer 2021 baulich umgesetzt und am 27. September 2021 bei einer feierlichen Eröffnung für den Verkehr freigegeben. Mit dem Demonstrationsteilstück soll das Thema Radschnellverbindung erlebbar gemacht werden. 

Der Abschnitt 1.2 im Bereich Esslingen verläuft durch den Neckaruferpark. Die Stadt Esslingen plant derzeit die Umgestaltung des Parks, weshalb die Planung der Radschnellverbindung im Abschnitt 1.2 eng mit der Stadt abgestimmt wird. 

Informationen des Regierungspräsidiums zum Radschnellweg im Landkreis Esslingen 

Allgemeine Informationen zu Radschnellverbindungen

Räumliches Informations- und Planungssystem (RIPS) der LUBW,  Amtliche Geobasisdaten © LGL, www.lgl-bw.de, Az.: 2851.9-1/19
Geplante Trassenführung des Radschnellwegs