Plochingen bringt Geflüchtete, Flüchtlingshilfe und engagierte Bürgerinnen und Bürger zusammen

Um geflüchteten Menschen aus der Ukraine die Ankunft zu erleichtern und eine Anlaufstelle zu bieten, organisierte die Stadt Plochingen gemeinsam mit dem Lokalen Bündnis für Flüchtlinge (LBF) und engagierten Bürgerinnen und Bürgern im Begegnungscafé „im.Markt8“ eine Infoveranstaltung. Ziel der kurzerhand und dank der Hilfe vieler Engagierter ins Leben gerufenen Begegnungsmöglichkeit ist es, die ankommenden Menschen unkompliziert und unbürokratisch mit allen wichtigen Informationen zu versorgen, Kontaktmöglichkeiten zu bieten und ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln.

Im Rahmen der zweiten Veranstaltung in der vergangenen Woche empfing Bürgermeister Frank Buß bereits rund 50 bis 60 Gäste aus der Ukraine und hieß sie in Plochingen willkommen. Er erinnerte daran, dass Plochingen bereits mehrfach große Flüchtlingskrisen bewältigte, viele jedoch die Bilder, die uns seit Beginn des Krieges täglich aus der Ukraine erreichen, „nur aus den Erzählungen der Elterngeneration“ kennen. Plochingen galt seit jeher insbesondere aufgrund seiner Wirtschaftsstärke als attraktiv für Zuwanderung und Arbeitssuchende, doch auch die Flüchtlingshilfe blickt auf eine lange Geschichte zurück: So wurde der Stadtteil Stumpenhof in den 1950er-Jahren vorrangig für Menschen gebaut, die in Plochingen ein neues Zuhause fanden.

Ein wichtiger Faktor für eine gelingende Integration ist das LBF - „in Sachen Integration unser Gesicht nach außen“, so Tamara Hofmann, Integrationsbeauftragte der Stadt. Seit Ankunft der ersten Ukrainerinnen und Ukrainer – bislang wurden 64 Personen und 23 Kinder offiziell in Plochingen aufgenommen – unterstützt sie diese, kümmert sich um Unterkünfte, Kleidung und alles, was benötigt wird. Rund 20 Personen konnten bereits in städtischen Wohnungen und Einrichtungen untergebracht werden, alle weiteren privat oder in Gästezimmern. Wöchentlich wird die Lage im Rathaus besprochen, doch „niemand weiß, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden, wann und wie der Krieg endet“. Buß wünschte allen in der momentanen Situation Zuversicht und dass sie „in Plochingen einen sicheren Hafen finden“. Plochingen werde versuchen, „Sie bestmöglich zu integrieren“. 

Nächstes Treffen:

Am Donnerstag, 7. April, um 17 Uhr, findet im Begegnungscafé „imMarkt8“ ein weiteres Treffen für Geflüchtete, Engagierte in der Flüchtlingshilfe sowie Plochinger Bürgerinnen und Bürger statt.

v.l.n.r. Geert Rüger vom LBF; Tamara Hofmann, Integrationsbeauftragte der Stadt Plochingen; Irina Pechthold vom LBF, die als Übersetzerin unterstützte; Bürgermeister Frank Buß
v.l.n.r. Geert Rüger vom LBF; Tamara Hofmann, Integrationsbeauftragte der Stadt Plochingen; Irina Pechthold vom LBF, die als Übersetzerin unterstützte; Bürgermeister Frank Buß

Weitere Informationen

Registrierung ist Voraussetzung für staatliche Hilfen

Hofmann betonte, dass sich alle Geflüchteten zuerst im BürgerService mitsamt Wohnsitz anmelden müssen, um einen Antrag auf Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz stellen zu können, ein Konto zu eröffnen und eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen. Die Anträge würden ans Landratsamt weitergeleitet und nach Vorsprache beim Ausländeramt dann Aufenthalts- sowie Arbeitserlaubnisse ausgestellt. Nach Meldung beim Arbeitsamt können die Angemeldeten dann eine Beschäftigung aufnehmen.

Vereine bieten Angebote

Neben den bereits bestehenden Angeboten der Plochinger Vereine, wie Fußball spielen beim FV Plochingen, Tanzen bei den Rocking Stars, Malen bei der Initiative Mahlwerk sowie Musizieren und Ballett an der Musikschule, bietet auch der TV Plochingen in den Abteilungen Handball, Leichtathletik, Turnen, Tennis, Karate sowie im Kindersport eine Teilnahmemöglichkeit für aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Sie werden als ordentliche Mitglieder des TV geführt, müssen jedoch keine Beiträge bezahlen.

Zu einem ersten Kennenlernen lädt der TV Plochingen alle interessierten ukrainischen Gäste und deren Gastgeberinnen und Gastgeber sowie Familienmitglieder am Mittwoch, 20.04.2022 ab 13:00 Uhr auf seine Minigolfanlage am Jahnstadion (hinter Gaststätte Albblick) zu einer Runde Minigolf ein. Anmeldung bei Tamara Hofmann unter der Telefonnummer 07153/7005-320 oder per E-Mail an hofmann@plochingen.de.

Weitere Informationen zum Angebot des TV Plochingen für geflüchtete Menschen

LBF aktiviert sein Netzwerk

Gottfried Leibbrand vom LBF berichtete, dass die Flüchtlingshilfe in der aktuellen Situation auf wertvolle Erfahrungen und Kontakte der vergangenen Jahre zurückgreifen könne, um Bedarfe zu decken. So führe man bereits Gespräche mit der VHS Esslingen, um Erwachsenen, die kein Deutsch sprechen oder Schülerinnen und Schülern, die weiterhin am Online-Unterricht mit ihren Klassen teilnehmen, Deutschkurse anzubieten. Darüber hinaus seien auch im Begegnungscafé weitere Angebote, wie z.B. eine Spielgruppe, möglich. Auch Fahrräder aus der Fahrradwerkstatt – jetzt vor allem Damenräder – würden wieder nachgefragt. Wegen Corona sei das Begegnungscafé zwar „etwas eingeschlafen“, doch „die Strukturen stehen“, sagte Leibbrand. Es gelte, sie wieder zu aktivieren. Und dass die Geflüchteten mit Lebensmitteln versorgt werden, zeige, dass auch das Netzwerk des LBF mit der AWO funktioniert. So werden vom Mittagstisch übriggebliebene Lebensmittel von der AWO an die Geflüchteten weitergegeben.

Vernetzung in den sozialen Medien

Eine weitere Vernetzungsmöglichkeit initiierte Francisco Santos mit der Facebook-Gruppe „Plochingen Hilfsnetzwerk für Ukraine Gäste und Gastgeber“ etwa zwei Wochen nach Kriegsbeginn. Es war Santos ein Anliegen, „dass sich die Gäste aus der Ukraine vernetzen und sich in ihrer Heimatsprache untereinander austauschen können“. Inzwischen konnte eine Übersetzerin gewonnen werden, die Beiträge auf Ukrainisch und Russisch zur Verfügung stellt. Außerdem sollen Gastgeber und Gäste in Kontakt treten können. Er und seine Familie haben selbst auch Geflüchtete aufgenommen und seit diesen zwei Wochen schon viel dazugelernt, wie er erzählte. Die neue Erfahrung sei „eine Bereicherung“ für alle.

Niederschwellige Angebote gefragt

Nach Ostern soll der Austausch im Markt 8 regelmäßig möglich sein: Das Begegnungscafé hat dann wieder jeden Donnerstag geöffnet. Es gibt dort „Platz und Raum für verschiedene Angebote, Kurse und Gruppen“, freuten sich Hofmann und die Mitstreiter des LBF. „Wir brauchen noch mehr niederschwellige Angebote“, wünschten sie sich, offene Angebote, die ohne ein aufwändiges bürokratisches „Vertragswerk“ funktionieren.