Renovierte Friedhofskapelle auf dem Plochinger Stadtfriedhof offiziell eingeweiht

In den letzten Monaten wurde die Friedhofskapelle auf dem Stadtfriedhof umfassend renoviert und barrierefrei gestaltet. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde am Samstag, 7. Mai 2022 konnten Besucherinnen und Besucher nun die durch eine farbliche und künstlerische Neugestaltung aufgewertete Kapelle besichtigten.

Neugestalteter Innenbereich der Friedhofskapelle
Neugestalteter Innenbereich der Friedhofskapelle

Die anlässlich einer Friedhofserweiterung 1950/51 als Aussegnungshalle auf dem Stadtfriedhof erbaute und inzwischen dringend sanierungsbedürftige Friedhofskapelle wurde seit Juli 2021 umfassend saniert und baulich sowie technisch auf den heutigen Stand gebracht. Am 7. Mai erfolgte die offizielle Einweihung. „Eine rundum gelungene Gestaltung“, freute sich Bürgermeister Frank Buß und dankte allen Beteiligten für ihr Mitwirken. „Schon bei der Errichtung der Aussegnungshalle wurde viel Wert auf Gestaltung gelegt, jetzt wurde die Halle in die heutige Zeit transformiert.“

Im Zuge der Sanierung, deren Kosten sich auf rund 250.000 Euro belaufen, wurden sämtliche Putz- und Holzwerkanstriche innen und außen durch ein helles Farbkonzept aufgefrischt, Dachrinnen, Blechanschlüsse am Dach und beschädigte Fenster erneuert, die gesamte Elektroinstallation überholt sowie eine zentrale Kühlanlage für nunmehr zwei große anstelle von zuvor drei kleinen engen Zellen zur Sargaufbewahrung installiert. Während bislang mehrere Stufen bis zum Eingang überwunden werden mussten, ist der Zugang zur Kapelle künftig neben einer neuen Freitreppe auch barrierefrei über eine halbrunde Rampe mit Zwischenpodest und einer Bank zum Verweilen erreichbar. Wolfgang Kissling, der als Leiter des Verbandsbauamtes für die Planungen verantwortlich zeichnete, erinnerte sich im Rahmen der Einweihung an „drei zusammengenagelte Bretter, die, wie sich herausstellte, bislang als barrierefreie Zugangsmöglichkeit dienten – ein unwürdiger Zustand, den es abzuwandeln galt. Jetzt ist ein würdiger Zugang für jeden möglich.“ An das Ende der Rampe schließt sich der nach den Entwürfen der Garten- und Landschaftsarchitektin Mirjam Heinrich neugestaltete Vorplatz mit Wegen, Pflanzbeeten und einem Baumhain an, der durch eine Plastik der Künstlerin Manuela Tirler (Bündel VI, Stahlarbeit aus dem Jahr 2016) zusätzlich bereichert wird. „Die Plastik ‚Bündel‘ stellt eine Versammlung gewachsener Strukturen dar und führt diese zusammen – wie an einem Bahnhof des Lebens“, so Tirler über ihr Werk, das gleichzeitig aufgrund seiner Form an einen Baum erinnert, der jedes Jahr neue Triebe und Knospen ausbringt und so die Auferstehung und das ewige Leben symbolisiert.

Mit Beginn im September 2021 wurde weiterhin das Kapelleninnere mit einem die vormals düstere Atmosphäre aufhellenden Lichtkonzept der Plochinger Textilkünstlerin Verena Könekamp in Zusammenarbeit mit den Planern des Hochbauamtes aufgewertet. „Die Dunkelheit musste aus den Räumen verschwinden und das Lichtkonzept so verändert werden, dass hier eine Seele in den Himmel aufsteigen kann“, fasste Verbandsbaudirektor Kissling die gestalterischen Ziele zusammen. Nun empfängt ein an der Decke angebrachtes 7 m langes Leuchtobjekt Trauergäste, Besucherinnen und Besucher am Eingang und führt sie nach vorne. Dort befindet sich das durch einen Scheinwerfer und weitere Lichtobjekte an der Seite feierlich erleuchtete Glasfenster des renommierten Glaskünstlers Rudolf Yelin d.J., welches Szenen aus der Passion und Auferstehung Christi zeigt. Das Lichtensemble soll eine helle und freundliche Atmosphäre schaffen und die Trauernden „an das Weiterleben glauben und an das Leben denken lassen“, so Könekamp. Durch die Gestaltung wird der Trauer Raum gegeben, doch auch der christliche Auferstehungsgedanke soll durch die Lichtobjekte verdeutlicht werden. „Mir ist es wichtig, durch meine Kunst zu zeigen, dass der Tod nicht das Ende ist. Das irdische Leben ist beendet, aber ein Leben nach dem Tod kommt. Meine Kunst soll trösten, sie soll symbolisieren, dass nach dem Tod die Auferstehung kommt. Für mich kann das nicht besser verdeutlicht werden als durch Lichtkunst. Auch Menschen, die nicht an ein Leben nach dem Tod glauben, werden von dieser Atmosphäre des Neuanfangs getröstet.“ Für Pfarrerin Karin Keck von der Evangelischen Kirchengemeinde Plochingen ist die neue Friedhofskapelle ebenfalls ein wichtiger Ort, an dem sich Hinterbliebene in ihrer Trauer geborgen fühlen können.

Neben der Sanierung der Friedhofskapelle widmete sich die Stadtverwaltung im letzten Jahr insbesondere auch der Sanierung der Kriegsgräber und der Friedhofsmauern sowie der grundsätzlichen Frage zur Pflege der Grünanlagen. So wurden mehr als 50.000 Euro für die Pflege der Wege und Geländer freigegeben. „Damit machen wir den Stadtfriedhof wieder zu einem Ort, an dem die Trauergemeinde würdevoll Abschied nehmen kann“, fasste Bürgermeister Buß zusammen.

Impressionen der neugestalteten Friedhofskapelle

Außenansicht mit Vorplatz
Außenansicht mit Vorplatz
Bürgermeister Frank Buß und Textilkünstlerin Verena Könekamp in der neugestalteten Kapelle
Bürgermeister Frank Buß und Textilkünstlerin Verena Könekamp
Empfang zur offiziellen Einweihung der Friedhofskapelle: zu sehen sind Menschen, die vor der Kapelle beisammen stehen
Empfang zur offiziellen Einweihung der Friedhofskapelle
Barrierefreier Zugang zur Kapelle über eine halbrunde Rampe
Barrierefreier Zugang zur Kapelle über eine halbrunde Rampe
Manuela Tirlers Plastik "Bündel VI" vor dem Eingang der Kapelle
Manuela Tirlers Plastik "Bündel VI" (Stahlarbeit aus dem Jahr 2016)

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