Neue Wege in der Innenstadt- und Einzelhandelsförderung

Digitalprojekt mit Modellcharakter geht 2020 und 2021 in die Umsetzung

Die Stadt Plochingen freut sich mit Stadtmarkteting Plochingen e.V. und der Esslinger Stadtmarketing & Tourismus GmbH (EST) über eine Förderung in Höhe von 63.500 Euro durch den Verband Region Stuttgart.

Ein Expertengremium aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zeichnete das Digitalprojekt „Online Handel(n) Esslingen und Plochingen“ am 27.11. als Vorbildprojekt mit Modellcharakter für andere Städte aus und bezuschusst 2020 und 2021 insgesamt 50% der Gesamtsumme in Höhe von 127.000 Euro. Die restlichen 50% werden von Partnern in Esslingen und Plochingen erbracht: Stadtmarketing Plochingen e.V., Stadt Plochingen, Esslinger Stadtmarketing & Tourismus GmbH, City Initiative Esslingen e.V. sowie Bechtle Verlag und Druck.

EST-Geschäftsführer Michael Metzler hatte das Digitalprojekt 2019 entwickelt. Er sieht die Innenstädte und den stationären Handel unter Druck. Der Umsatz im Onlinehandel wächst. Die Einkaufsgewohnheiten der Kunden ändern sich. Um hier zu bestehen muss der Handel digital denken und handeln. „Zentrales Projektziel ist die Steigerung der Digitalkompetenz und der Onlinesichtbarkeit des innerstädtischen Einzelhandels.“ Dazu wird ein Qualifizierungsprogramm aufgesetzt, das die Händler dabei unterstützt, die individuelle Digitalstrategie zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln. „Dabei nutzen wir die bereits vorhandenen Allianzen und Netzwerke der City Initiativen und Händlervereinigungen. Im Netzwerk lässt sich der digitale Wandel für alle Beteiligten einfacher und ressourcenschonender gestalten“, betont Michael Metzler.

Esslinger Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der EST ist, sieht in der Digitalisierung auch Chancen: „Die Innenstadt besitzt eine Vielfalt an Optionen Menschen einzubinden, die reine Onlinehändler niemals haben werden. Sich in angenehmer Stimmung verabreden, bummeln und flanieren. Wenn man nebenbei über das Smartphone Angebote vergleichen kann und feststellt, dass diese sich nicht wesentlich von Onlineangeboten unterscheiden und man dazu vor Ort noch einen Service bekommt, der gleich gut oder besser ist als im reinen Online-Handel, besteht eine reelle Chance sich im Wettbewerb zu behaupten.“

Das Digitalprojekt ist interkommunal angelegt. Die EST fand offene Türen vor, als sie ihr Konzept Vertretern der Stadt Plochingen vorstellte. Bürgermeister Frank Buß: „Die Herausforderung, den Strukturwandel im Einzelhandel zu bewältigen und die Innenstädte attraktiv zu halten, gilt für alle Städte gleichermaßen. Das Projekt passt sehr gut in unsere Strategie der Innenstadt- und Wirtschaftsförderung. Daher bringen wir uns als Stadt Plochingen gemeinsam mit unserem Stadtmarketingverein gerne finanziell und organisatorisch ein.“

Das Projekt „Online Handel(n) Esslingen/ Plochingen“ umfasst mehrere Bausteine:

  • Eröffnungsveranstaltung: In einer großen Eröffnungsveranstaltung für die Gewerbetreibenden vermittelt ein Key Note Speaker das „Big Picture“ Digitalisierung. Die Projektträger stellen sich vor und liefern Infos zum weiteren Projektablauf. Die Veranstaltung findet statt am Montag 02.03.2020 um 19 Uhr im Alten Rathaus in Esslingen.
  • Digitalisierungsstammtisch: Ein Digitalisierungsstammtisch sichert den Erfahrungsaustausch untereinander. Die Händler tauschen sich über ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung aus, niedrigschwellig, informativ und in geselliger Runde. Die Diskussion ist praxis- und umsetzungsorientiert. Geplant sind 13 Termine zu unterschiedlichen Themen wie Websiteerstellung, soziale Netzwerke, Bonussysteme und Suchmaschinenoptimierung. Die Stammtische werden extern und professionell moderiert.
  • Seminare und Webinare: Regionale und überregionale Experten vermitteln in 8 Seminaren und 4 Webinaren umfangreiches Wissen und Know-How zu verschiedenen Teilbereichen der Digitalisierung wie Google Maps, Google Analytics, Local Commerce, Onlineshops und Online-Marketing.
  • Beratungsgutscheine: Lokale und regionale Profis helfen den Händlern bei der Entwicklung der individuellen Digitalisierungsstrategie. Dies geht von einer Erstberatung mit Maßnahmenplanung bis hin zur Vermittlung von Experten für relevante Themen- und Projektfelder. Beratungsleistungen und erste Umsetzungsleistungen werden anteilig über gefördert.
  • Digital-Labor „Onlineschaufenster Plochingen“: Durch die Einrichtung eines kommunalen Onlineschaufensters wird in Plochingen der Versuch unternommen, die Vielfalt der kommunalen Angebote online zu bündeln und ihre digitale Sichtbarkeit zu erhöhen. Während der zweijährigen Testphase sollen laufend Anpassungen vorgenommen werden.

Für die Umsetzung des Vorhabens wurde die Unternehmens- und Kommunalberatung CIMA digital ausgewählt. Sie übernimmt als Projektbegleitung inhaltliche und moderative Aufgaben. Geleitet wird die CIMA digital von Andreas Haderlein. Er ist Wirtschaftspublizist und Innovationsberater und war u.a. Impulsgeber und Co-Projektmanager des nationalen Pilotprojets „Online City Wuppertal“. Haderlein gilt als einer der profiliertesten Vordenker zu Digitalstrategien für Städte, Regionen und Kommunen und ist Autor des Buches „Local Commerce: Wie Städte und Innenstadthandel die digitale Transformation meistern“. Bei einzelnen Schulungsbausteinen wird die CIMA durch lokale Partner wie Bechtle Verlag und Druck und Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterstützt.

Das Projektmanagement für „Online Handel(n) Esslingen und Plochingen“ liegt bei der EST. Hierzu wird eine auf zwei Jahre befristete Teilzeitstelle geschaffen. Projektmanagerin ist EST-Mitarbeiterin Silke Renninger-Metz. Sie wird unterstützt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Plochingen und durch Agnes Senße, Geschäftsstellenleiterin des Stadtmarketing Plochingen e.V. Projektleiter ist Michael Metzler als kommissarischer Citymanager.

Für die laufende Projektsteuerung wird eine Lenkungsgruppe installiert, die quartalsweise tagt und in der die Projektpartner vertreten sind. Im weiteren Projektablauf werden lokale und regionale IT-Unternehmen und Agenturen für einzelne Bausteine eingebunden. Hierzu sind gesonderte Workshops geplant.

Das Digital-Projekt ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt und wird in den Jahren 2020 und 2021 umgesetzt. Im Anschluss erfolgt eine Zusammenfassung und Evaluation. Auf dieser Grundlage wird über eine Fortführung und Verstetigung des Prozesses und die nächsten Schritte ab 2022 entschieden.