Virtuelle Ausstellung „thielsFlache“

Wolfgang Thiels Ausstellung „thielsFlache“ in der städtischen Galerie ist als virtuelle Ausstellung auf der Homepage der Stadt Plochingen zu sehen.

Anfang April hatte Wolfgang Thiel in der Galerie der Stadt in der Marktstraße seine Ausstellung mit Bildern und Skulpturen vorbereitet, pünktlich zur Vernissage waren alle Bilder gehängt und alle Skulpturen aufgebaut. Die war eigentlich am 19. März vorgesehen, konnte aber aus bekannten Gründen dann schon nicht mehr stattfinden. Eine Ausstellung ohne Publikum? Nein – Kunst braucht Betrachter. Die Werke ungesehen wieder abbauen, kam weder für den Künstler noch für Susanne Martin vom städtischen Kulturamt in Frage. Und schnell war man sich einig: wenn die Menschen nicht zur Kunst kommen, kommt eben die Kunst zu den Menschen. Im Zeitalter von Internet, Facebook und Instagram sollte das doch irgendwie möglich sein. Und so begrüßte vergangenen Donnerstag Bürgermeister Buß vor laufender Handykamera die virtuellen Gäste und der Künstler selbst führte durch die Räume und erläuterte seine Werke. Tanja Wehnl und Noreen Heizmann von der PlochingenInfo filmten und fotografierten, schnitten in nächtlichen Stunden das Film-und Fotomaterial und fügten die einzelnen Sequenzen zusammen. Entstanden ist ein wunderschöner kleiner Film, der auf der Homepage der Stadt Plochingen unter https://www.plochingen.de/start/Freizeit+_+Kultur/Galerie.html zu sehen ist.
 
Wolfgang Thiel ist einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen figurativen Kunst in Süddeutschland. Der Künstler, der seit 1991 im Kulturpark Dettinger sein Atelier betreibt, ist dabei in erster Linie als Bildhauer bekannt. Zahlreiche seiner Werke befinden sich in Sammlungen und Museen oder bereichern den öffentlichen Raum. Auch in Plochingen sind verschiedene Werke zu sehen, angefangen von den „Sabrinas“, den bunten Frauenfiguren auf hohen Sockeln, die an wichtigen Schnittstellen im Stadtgebiet den Weg weisen, über die großen, leuchtend gelben Metallskulpturen in den Lettenäckern oder auf dem Panoramaplatz bis hin zu den großen Kopfskulpturen von „Schiller und Goethe“ aus Cortenstahl im Landschaftspark Bruckenwasen.
 
Dass Wolfgang Thiels Werk neben Skulptur und Plastik auch andere Kunstgattungen umfasst, mag so manchen erstaunen. Die aktuelle Ausstellung zeigt die Vielseitigkeit des Künstlers und rückt – wie der Name schon sagt –  erstmals seine „flachen“, als zweidimensionalen Werke in den Blickpunkt: großformatige Leinwandbilder, Grafiken und Collagen werden Skulpturen aus Bronze oder Keramik gegenübergestellt. Im Zentrum aller Arbeiten steht dabei immer der Mensch – der bei Wolfgang Thiel fast durchweg weiblich ist. Dass Thiel darüber hinaus auch als Bühnenbildner erfolgreich ist, zeigt eine kleine Gruppe ganz aktueller Bilder, die sich mit dem Thema „Raum“ auseinandersetzen und die – für Thiel ganz ungewohnt – nicht mit der gewohnten Farbgewalt daherkommen, sondern sich auf schwarz und einige wenige Farbandeutungen reduzieren.
 
Nun haben Thiels Frauen also die Galerieräume ganz für sich – schade! Aber wer Lust hat, kann sie zumindest virtuell im Internet besuchen.