Durch die Marktstraße zum Fischbrunnenplatz

Wenige Schritte vom Marktplatz entfernt in der Marktstraße erinnert ein schönes Stufengiebelgebäude an die Zehntscheuer. Die alte Plochinger Zehntscheuer des Klosters Sankt Blasien musste 1968 dem Verkehr weichen. Das jetzige Haus erinnert an seiner Ostseite mit dem nachgebauten Stufengiebel an das einst an seiner Stelle stehende Gebäude mit großer Scheuer und einem riesigen Keller. Im Torbogen des Gebäudes befindet sich eine Replik des steinernen Wappen des Abtes von St. Blasien, zu dessen Hoheit eine Hälfte Plochingens im 17. Jahrhundert gehörte. Die Jahreszahl 1613 gibt das Baudatum an, die Buchstaben MASB bedeuten "Martin Abt von St. Blasien". Der originale Wappenstein befindet sich im Alten Rathaus.

Vor der Zehntscheuer in der Marktstraße steht eine von insgesamt sieben Frauenfiguren, die 1996 der in Plochingen arbeitende Künstler Wolfgang Thiel geschaffen hat. Sie stehen an wichtigen Schnittstellen in der Stadt und weisen Fußgängern und Radfahrern den Weg. Die "Ur-Frau" ist eine Holzskulptur, nach der sieben Betonabgüsse gefertigt wurden. Diese wurden dann vom Künstler - je nach Standort verschieden - farbig gefasst. Sie stehen auf hohen Betonsockeln, an denen die für Ortsfremde hilfreichen Hinweistafeln angebracht wurden.

Am unteren Ende der Marktstraße öffnet sich der Fischbrunnenplatz. Hier befindet sich der steinerne Fischbrunnen mit der Bronzeplastik einer Wasser schöpfenden Bäuerin, die 1982 vom Bildhauer Franz Otto Lipp geschaffen wurde. Schon im 14. Jahrhundert wird der Fischbrunnen an dieser Stelle erwähnt. Er diente den Neckarfischern dazu, ihren Fang im Brunnentrog frisch zu halten. An den T rog waren die Eichgeschirre angebunden, die für Hohlmaße die Maßeinheit vorgaben, weshalb der Brunnen auch "Eychbrunnen" genannt wurde.
Gegenüber am Volksbankgebäude steht in einer Wandnische die Bronzestatuette des "Heiligen Urban" von Franz Otto Lipp aus dem Jahre 1987. Die Legende erzählt, der Heilige Urban habe im nahen Cannstatt den Weinanbau gelehrt. Als Schutzpatron der Winzer wurde er daher im einstigen Weinbauflecken Plochingen hoch geehrt. Schon im Mittelalter befand sich an dieser Stelle, wo die heutige Urbanstraße zu den Weingärten führte, ein Bildstock mit dem Heiligen Urban.
In der Schalterhalle der Kreissparkasse kann man während der Schalteröffnungszeiten eine Ausstellung von Holzschnitten des berühmten Reutlinger Holzschneiders HAP Grieshaber besichtigen. Ausgewählte Werke aus der vierzigjährigen Schaffensperiode der Künstlers sind zu sehen, darunter auch der berühmte "Osterritt von der Achalm zum Kloster Siessen". Eine Besonderheit ist die monumentale Sintflutdarstellung aus zwölf Einzelholzschnitten, jeder ein Meter breit und drei Meter hoch - ein gigantischer Fries, der das biblische Thema der Sintflut thematisiert. Nur drei Abdrucke gibt es von diesen riesigen Holzstöcken: im Nationaltheater in Mannheim, in Rostock und in Plochingen.

